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Website-Relaunch: acht Anzeichen, dass es Zeit ist

Jedes Anzeichen mit einem Test, den Sie selbst machen können. Wer keinen davon reißt, braucht keinen Relaunch — und sollte das Geld anders einsetzen.

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Ein Website-Relaunch ist fällig, wenn die Seite am Handy nur mit Zoomen lesbar ist, länger als 2,5 Sekunden bis zum größten Element braucht oder niemand mehr Inhalte ändern kann. Die folgenden acht Anzeichen prüfen genau das, jeweils mit einem Test für zwischendurch.

Anzeichen 1: Die Seite ist am Handy nur mit Zoomen lesbar

Test: Öffnen Sie die Startseite auf Ihrem eigenen Telefon und lesen Sie den ersten Absatz, ohne zu zoomen und ohne waagerecht zu scrollen.

Über die Hälfte aller ersten Kontakte kommt heute vom Handy, auch im Geschäftskundenbereich. Eine Seite, die dort nur mit Zoomen bedienbar ist, verliert einen Großteil der Besucher vor dem ersten Satz. Das ist gleichzeitig ein Verstoß gegen das WCAG-Erfolgskriterium 1.4.10, das verlangt, dass Inhalte ab 320 Pixel Breite ohne waagerechtes Scrollen nutzbar bleiben.

Anzeichen 2: Das größte Element braucht länger als 2,5 Sekunden

Test: Geben Sie Ihre Adresse bei Googles PageSpeed Insights ein und sehen Sie sich den Abschnitt mit den Felddaten an — nicht den Punktwert.

Google nennt drei Schwellen im 75. Perzentil echter Besuche: der größte sichtbare Inhalt in höchstens 2,5 Sekunden, die Reaktionszeit auf Eingaben unter 200 Millisekunden, die Layoutverschiebung unter 0,1. Die Werte und ihre Herleitung stehen in der Dokumentation auf web.dev. Wichtig ist die Trennung: Der Punktwert oben ist eine Labormessung auf einem simulierten Gerät. Was zählt, sind die Felddaten echter Besucher.

Anzeichen 3: Der Text steht nicht im Quelltext

Test: Rechtsklick auf die Seite, „Seitenquelltext anzeigen” — ausdrücklich nicht „Untersuchen”, denn die Entwicklerwerkzeuge zeigen das fertig gerenderte Dokument. Suchen Sie mit Strg+F einen Satz, den Sie auf der Seite sehen.

Findet der Browser den Satz nicht, wird der Text erst im Browser aus JavaScript zusammengesetzt. Für Googlebot ist das ein Nachteil, weil das Rendern verzögert und nicht garantiert passiert. Für KI-Crawler ist es ein Ausschluss: GPTBot, ClaudeBot und PerplexityBot führen kein JavaScript aus. Ihre Seite ist für ChatGPT, Claude und Perplexity dann eine leere Seite. Google bestätigt in seiner Dokumentation zu KI-Funktionen, dass für AI Overviews die normalen Crawling-Regeln gelten — was nicht abrufbar ist, kann nicht erscheinen.

Anzeichen 4: Niemand kann mehr Inhalte ändern

Test: Ändern Sie eine Telefonnummer oder eine Öffnungszeit. Wenn Sie dafür jemanden anrufen müssen, den Sie seit zwei Jahren nicht erreicht haben, ist der Test bestanden — im schlechten Sinn.

Dieses Anzeichen ist das unterschätzteste, weil es sich nicht messen lässt. Der praktische Effekt ist, dass Inhalte veralten. Und Aktualität ist inzwischen ein harter Faktor: Eine Auswertung von 7.683 Seiten und 47.097 Zitationen durch Seer Interactive fand, dass 75 Prozent der von KI-Systemen zitierten Seiten im letzten Jahr aktualisiert wurden. Seiten, die älter als drei Jahre unverändert sind, werden praktisch nicht mehr zitiert.

Anzeichen 5: Das Impressum verweist auf Paragraf 5 TMG

Test: Impressum öffnen, nach „TMG” suchen.

Seit Mai 2024 ist Paragraf 5 DDG die Rechtsgrundlage, das Telemediengesetz gibt es nicht mehr. Inhaltlich hat sich an den Pflichtangaben nichts geändert, die Verweise sind aber falsch. Suchen Sie im selben Durchgang nach „Online-Streitbeilegung” und „ec.europa.eu/consumers/odr” — diese Plattform wurde zum 20. Juli 2025 abgeschaltet, ein Link darauf ist heute abmahnfähig.

Anzeichen 6: Schriften kommen von einem fremden Server

Test: Seitenquelltext anzeigen und nach „fonts.googleapis.com” oder „fonts.gstatic.com” suchen.

Das Landgericht München I hat 2022 entschieden, dass die Einbindung von Google Fonts über Google-Server ohne Einwilligung ein Datenschutzverstoß ist, der einen Schadensersatzanspruch begründet. Darauf folgte eine Abmahnwelle. Die Behebung ist trivial — Schriften herunterladen und selbst ausliefern — und verkürzt zusätzlich die Ladezeit um eine DNS-Auflösung und einen Verbindungsaufbau.

Anzeichen 7: Das Kontaktformular kommt nicht an

Test: Schicken Sie sich selbst eine Anfrage über das Formular Ihrer Website. Warten Sie eine Stunde. Prüfen Sie auch den Spam-Ordner.

Ein kaputtes Kontaktformular ist der teuerste stille Fehler, den eine Website haben kann, weil niemand ihn meldet — wer keine Antwort bekommt, geht zum nächsten Anbieter. Häufigste Ursachen: ein abgelaufener Mailserver-Zugang, eine geänderte E-Mail-Adresse und eine Spam-Regel, die die eigene Seite als Absender einstuft.

Anzeichen 8: Die Seite ist älter als fünf Jahre und niemand hat sie seither angefasst

Test: Wann wurde zuletzt etwas geändert? Wenn Sie es nicht wissen, ist die Antwort „zu lange her”.

Fünf Jahre sind im Web zwei Browsergenerationen, eine Gesetzesänderung beim Impressum, eine neue Messgröße bei den Core Web Vitals und der komplette Aufstieg von KI-gestützter Suche. Eine Seite, die diese Zeit unverändert überstanden hat, erfüllt heute mit hoher Wahrscheinlichkeit mehrere der Punkte 1 bis 7 gleichzeitig.

Wie Sie das Ergebnis lesen

Zutreffende AnzeichenEmpfehlung
0 – 1Kein Relaunch. Punktuell beheben, Geld sparen.
2Einzelmaßnahmen prüfen, meist günstiger als ein Neubau.
3 – 4Relaunch rechnet sich, weil die Ursachen im Unterbau liegen.
5 und mehrRelaunch, und zwar bevor der nächste Sicherheitsvorfall kommt.

Wer bei drei oder mehr Punkten landet: Ein Website-Relaunch bei Vantage Growth kostet 400 bis 1.400 Euro und enthält immer ein Weiterleitungskonzept, damit die bestehenden Adressen und Positionen erhalten bleiben. Wer nur einen Punkt reißt, ist mit einer gezielten Performance- und SEO-Optimierung für 300 bis 900 Euro besser bedient.

Häufige Fragen

Wie viele Anzeichen müssen zutreffen, damit sich ein Relaunch lohnt?

Als Faustregel: drei oder mehr. Ein einzelnes Anzeichen lässt sich fast immer punktuell beheben und kostet einen Bruchteil eines Relaunchs. Bei drei Treffern liegt die Ursache meist im technischen Unterbau, und dann ist Flicken teurer als Neubauen.

Kann ich den Relaunch in Etappen machen?

Bei kleinen Websites selten sinnvoll. Ein Relaunch in Etappen bedeutet, dass zwei technische Stände parallel gepflegt werden, und das kostet mehr als es spart. Sinnvoll ist die Etappenlösung erst ab etwa hundert Seiten oder wenn ein Shop im Spiel ist.

Was ist der Unterschied zwischen Relaunch und Redesign?

Ein Redesign ändert das Aussehen und lässt Technik und Struktur unangetastet. Ein Relaunch baut den technischen Unterbau neu und überträgt Inhalte und Adressen. Wer nur ein Redesign kauft, behält die Ladezeit und die Wartungslast, die er eigentlich loswerden wollte.

Quellen

Verfasst von Benedikt Hebestreit, Vantage Growth. Zuletzt aktualisiert am . Das Datum wird nur bei einer echten inhaltlichen Änderung angefasst.

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